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Interview mit Peter Freudenthaler am 18.11.05 um 2.00Uhr im Tucholsky-Hotel in Bochum

Teil 1: Fools Garden - gestern

GOF: Hallo Peter, erst mal herzlichen Glückwunsch für euer wunderbares Konzert unter technisch ja nicht so idealen Bedingungen und danke, dass du jetzt noch für die Fans zur Verfügung stehst!

Peter: Kein Problem, hab ich versprochen und mach ich sehr gern

GOF:Es gibt da einige Fragen zu dem, was in der Bandhistory steht und da fangen wir mal ganz früh bei der Entstehung des Namens „Fool’s Garden“ an. Ist es eigentlich wahr, dass der Name etwas mit einer US Kaserne zu tun hat?

Peter: Hab ich ja noch nie gehört - wo habt ihr das denn her ?

GOF: Claus Wissler hat mal geschrieben, dass Volker und er bei einer Autofahrt in der Nähe von Frankfurt ein Schild des US Stützpunktes „Gateway Garden“ gesehen und drüber gescherzt haben. Daraus sei dann der Name Fool`s Garden geworden.

Peter:Ach ja, da habe ich den Claus Wissler noch gar nicht gekannt. Wir saßen zusammen in der Maisenbacher Sägmühle bei Bad Liebenzell und da ging’s um den Namen für die 1. Promo CD für das "Magazin" Projekt. Ich weiß nicht mehr, ob Claus oder Volker da den Namen „Gateway Garden“ ins Spiel gebracht haben. Ich fand das irgendwie nicht so prickelnd und wir kamen dann auf Fool’s Garden - das klingt doch ganz gut. Wir haben also das Album „Fool’s Garden“ genannt und später hieß die Band dann auch so.

GOF: Was viele Fans interessiert ist, wie du und Volker euch gefunden habt - das war ja wohl ein riesiger Glücksfall!

Peter: Ja, ich hab schon 2 Wochen studiert gehabt in Stuttgart - Medientechnik - und da kam Volker als Nachzügler in den Kurs. Ich kann mich noch daran erinnern: Er kam da mit Stirnband angelaufen und ich dachte: „Gott was ist denn das für einer?“ Und dann kam er mir auch irgendwie bekannt vor und ich weiß bis heute nicht, ob ich ihn vorher schon mal gesehen hab, weil wir ja geographisch nicht weit voneinander gewohnt haben, schon seit Kindheitstagen. Dann sind wir miteinander ins Gespräch gekommen, haben uns gegenseitig unsere Cassetten vorgespielt. Er von seinem Studioprojekt und ich von meiner Band „Stitch“, die kurz vor dem Studium auseinander gegangen war,weil die Interessen zu verschieden gelagert waren. Und dann hab ich ihm die letzten Demos vorgespielt. Da war unter anderem auch „Sandy“ mit drauf und der Song gefiehl ihm ganz gut. Ich war sehr beeindruckt von der Qualität seiner Demos. Da hat er vorgeschlagen: „Komm doch mal bei mir vorbei und dann können wir die Nummer aufnehmen.“ Das haben wir dann gemacht. Er hatte da so eine Nummer rumliegen, wo es keine richtige Melodie und keinen Text zu gab. Das war „Lena“.

GOF: Ihr ergänzt euch auch heute noch so fantastisch, z.B. auf der Bühne im zweistimmigen Gesang. Wie intensiv übt ihr sowas eigentlich?

Peter:Nee, eigentlich gar nicht. Wir sind eh ganz, ganz schlechte „Über“. Wir üben relativ wenig und da ist schon sehr viel Spontanes mit drin. Es ergänzt sich einfach ....und wir sind schon oft für Brüder gehalten worden.

GOF: Wie wir euch als Menschen beurteilen, seid ihr wohl relativ unterschiedlich, aber ihr ergänzt euch in eurer Arbeit super gut.

Peter: Wir sind wirklich sehr unterschiedlich, aber das macht gar nichts.

GOF: Kann man euch als echte Freunde beszeichnen?

Peter: Ja, auf jeden Fall! Wenn man so lange Zeit zusammen einen Weg beschreitet, dann geht das gar nicht anders.Das funktioniert nicht, wenn man nur eine geschäftliche Beziehung hat.

GOF: Was uns eigentlich von der ersten Begegnung mit eurer Musik an Fools Garden beeindruckt hat, war euer fantastischer Umgang mit der englischen Sprache. Wo habt ihr das eigentlich her? Das kriegt man ja nicht unbedingt in der Schule.

Peter: Ich hab schon in der Schule ganz normal Englisch gelernt und hab immer englischprachige Musik gehört. Und wenn man so ein klein wenig Talent hat, Sprachen zu adaptieren und Dialekte nachzumachen,entwickelt sich das von selbst. Ich glaub, das hat auch einfach was mit Musikalität zu tun, wenn man die Gabe besitzt, auch den Klang einer Sprache zu verinnerlichen..

Wenn wir mit einem Engländer sprechen, merkt der relativ schnell, dass wir keine Engländer sind. Aber so gerade beim Singen verschmilzt der Klang der Worte mit der Musik und da war englischsprachige Musik eine gute Schule.

Dann kommt so dieses Quäntchen Begabung dazu. Ich bin schon sehr früh, von meinem ersten Lebensjahr an, mit einer Fremdsprache konfrontiert worden, weil mein Vater Österreicher war und da hab ich ganz andere Sprachklänge wahrgenommen.

Es war für mich übrigens ein schönes Kompliment, wenn englische Kinder "Lemon Tree" von vorne bis hinten singen konnten und viele englische Leute dort auch geglaubt haben, wir wären eine englische Band. Das ist wohl das schönste Kompliment, was man bekommen kann, wenn gesagt wird, das hört man gar nicht, dass ihr keine Engländer seid.

GOF: Nun ein großer zeitlicher Spung in eure Riesenerfolgszeit 1996/97. Wie wird man eigentlich mit einer Situation fertig, plötzlich Superstar zu sein und kann trotzdem auf dem Boden bleiben?

Peter: Das hat sicherlich etwas mit der Konstitution eines Menschen zu tun. Alle aus der Band waren eigentlich nicht so gepolt, dass da großartig die Gefahr bestand abzuheben. Es war manchmal vielmehr eine komische Situation zu sehen und zu spüren, dass sich das Umfeld veränderte: Wenn du auf einmal merkst, dass dir die Leute gar nicht mehr so begegnen, wie du ihnen begegnest, sondern dass sie in dir was ganz anderes sehen, als du eigentlich bist. Da haben wir uns einfach weiter ganz normal verhalten, mussten aber teilweise auch seltsame Erfahrungen machen. Man merkte, für viele Leute ist das jetzt irgendwie viel mehr, wenn ich mich nach dem Konzert mit ihnen unterhalten hab, weil sie mich vielleicht am Mittag noch auf MTV oder in der Bravo gesehen haben. Für mich war das dann in ganz normales Gespräch. Dann war ich der Peter, der ich immer schon war. Aber für die Person war ich der Popstar, der mit MIR spricht. Das haben viele nicht so richtig auf die Reihe gekriegt. Da gab's auch unglaubliche Geschichten..............

Ich bin prinzipiell ein Mensch, der gerne auf dem Boden steht. Es ist schon mal ganz schön zu schwelgen und sich mal gehen zu lassen und auch stolz zu sein - Hey, die können alle dein Lied singen, in Südafrika, in Südostasien usw.

GOF: Denkst du eigentlich, wenn damals die Firma Intercord nicht aufgelöst worden wäre, "The principal thing" hätte an den Erfolg von "Dish of the day" anknüpfen können?

Intercord ist bei "Principal Thing" noch nicht pleite gegangen, aber da gab es schon so interne Umstrukturierungen , so dass wir auf einmal keinen persönlichen Betreuer bei der Plattenfirma mehr hatten und da musste irgendein anderer den Job für uns machen. Die ganze Firma war im Umbruch und wurde von EMI umstrukturiert - mit dem Ergebnis, dass sie dann 3 Jahre später ganz geschlossen wurde. Ach, das ist so schwierig hinterher zu beurteilen... Es sind viele Fehler gemacht worden und ich sehe inzwischen viele Dinge, die schon angesetzt haben zu der Zeit des Erfolges. Als "Lemon Tree" so groß wurde, war alles voll, aber da stand die Hälfte der Halle voll mit kreischenden Teenies und hinten standen ein paar ältere Leute. Ich denke heute, dass da viele auch abgeschreckt wurden. Denn da waren viele ältere dabei - viele haben ja auch die LP gekauft - die vielleicht nicht nur wegen "Lemon Tree" gekommen sind. Die Jungen definitiv wegen "Lemon Tree" und vielleicht noch wegen "Wild Days" - aber die haben gebrüllt wie am Spieß. Ich denke, wenn da so 25-30 jährige im Publikum standen, die haben bestimmt gedacht: Oh Gott, das ist für uns nix, diese Band. Das ist wohl mehr so ein Teenieding.

Das ist so eins von vielen Beispielen, dass da so einiges aus dem Ruder geraten war.

GOF: Möglicherweise ist es auch für den Musikmarkt etwas irritierend, wie groß die Bandbreite der Musik auf euren Alben ist. Vielleicht ist das ja auch ein Fluch von "Lemon Tree", dass die Leute einfach nicht richtig zuhören und immer nur auf ein neues "Lemon Tree" warten.

Peter: Ich will das Wort Fluch auf keinen Fall gebrauchen, ich finde es vielmehr einen riesengroßen Segen so ein Lied gehabt zu haben! Es hat uns alle Türen der Welt geöffnet und es gehört mit dazu. Ich finde, es gibt nichts Schlimmers, als wenn irgendwelche Bands, die mal einen riesengroßen Hit hatten, diesen Song nicht mehr spielen und man sagt, das sei eine Jugendsünde gewesen. Was ich wirklich ganz fest behaupten kann ist, dass jedes Lied, das wir bisher aufgenommen haben, ein Teil von uns ist. Es hat uns Spaß gemacht beim Schreiben und Komponieren, auch wenn die Dinger noch so unterschiedlich sind.

GOF: In diesem Zusammenhang eine Frage von Christel aus Remscheid, die wissen möchte, ob ihr noch Kontakt zu den alten Bandmitgliedern habt.

Peter: Roland und ich wollten schon immer mal wieder ein Bier trinken gehen, aber das ist jetzt schon wieder eine ganze Zeit her, dass wir telefoniert haben. Das läuft schon sehr auseinander. Nicht aus Desinteresse, aber das Leben läuft halt weiter. Ich habe meine Familie, meinen Freundeskreis und oft auch einfach keine Zeit. Aber da ist kein Groll oder sowas.

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Teil 2: Fools Garden heute

GOF: Ihr steht nun ja quasi am Ende der „Ready for the real life“ Tour. Wie beurteilst du die bisherigen Konzerte und wie sind deine Eindrücke?

Peter: Prinzipiell sehr schön fanden wir es, dass wir endlich mal ein Versprechen wahrmachen konnten: wir ziehen jetzt mal wieder los mit der ganzen Band, auch wenn es sich wirtschaftlich überhaupt nicht lohnt, so in diesen Bereichen zu agieren. Sehr schön war auch, dass wir dann doch so viele Leute geballt gesehen haben, so wie in Hamburg, wo viele Fans da waren, die wir selber auch schon lange nicht mehr gesehen haben.

Heut war's mal ein Konzert, das uns nicht so gefallen hat, weil die technischen Bedingungen so miese waren.

Einwurf GOF: Wir fanden das heute trotzdem ein tolles Konzert!

Peter: Ja, es ist halt immer das Moment, wie kann man sich fallen lassen auf der Bühne, und wenn man so während des Konzerts das Gefühl hat, man steht so neben sich, kann man das durch die Routine, die man hat, sicher etwa kaschieren. Es gibt so Momente, Gott sei Dank in den meisten aller Fälle, wo man von der Bühne geht und so ein Hochgefühl hat, weil man sich im Konzert komplett hat fallen lassen können, und das war heut nicht der Fall. Aber - solche Tage gibt’s.

GOF: Seid ihr insgesamt mit der Tour zufrieden?

Peter: Wir hätten uns natürlich gefreut, wenn mehr Publikumsandrang gewesen wäre. Wir sind aber von vornherein nicht mit zu großen Erwartungen darangegangen, denn das zeichnete sich schon durch die Verkaufszahlen von „Ready for the real life ab“. Ich würde es eher, auch wenn das noch so bescheiden klingt, als einen Schritt in die richtige Richtung betrachten, weil wir schon ganz andere Sachen erlebt haben. Die Tour 2000 war richtig mies besucht und dagegen war diese Tour schon eine richtig schöne Steigerung. Wir haben eigentlich auch diesmal in richtig schönen Clubs gespielt und ich denke, dass man darauf aufbauen kann.

GOF: In diesem Zusammenhang eine Frage von Petra aus Herne, die sich wohl um eure wirtschaftlichen Umstände sorgt. Könnt ihr von eurer Musik leben?

Peter: Ja, können wir. Sie ist hoffentlich jetzt beruhigt. Entgegen der landläufigen Meinung - wir haben nicht ausgesorgt. Ausgesorgt könnte ich jetzt nicht sagen, denn dafür haben wir einfach zu viele Fehler gemacht. Wenn wir alles richtig gemacht hätten mit „Lemon tree“ und nicht so grün hinter den Ohren gewesen wären, hätten wir soviel Geld verdienen können, dass wir nicht mehr arbeiten müssten. Auf der anderen Seite ist es aber vielleicht auch ganz schön, nicht sagen zu können:“ Ich kann mich nach hinten lehnen und mit den Daumen rollen, es ist alles gelaufen.“

GOF: Eine Frage zur Entstehung eurer Songs: Wie läuft sowas eigentlich ab? Für uns als Nichtmusiker sowieso ein absolutes Wunder.

Peter: Das ist ganz unterschiedlich und wirklich von Song zu Song verschieden. Es gibt Songs, die entstehen ganz schnell. Ich kann’s an meinem Fall, wie ich das Klavier bearbeite, ein wenig erklären. Es gibt Tage, da setze ich mich hin und will einen Song schreiben, da passiert überhaupt nix. Dann quäl ich mich irgendwie 2 Stunden durch und will schon aufhören und dann kommt plötzlich was. Und dann geht’s flups flups flups und ich muss schnell irgendwoher ein Aufnahmegerät holen, weil ich dann nicht im Aufnahmestudio sitze, sondern zu Hause an meinem Klavier. Manchmal ist auch auf einmal irgendwas da. Oft nur eine Textzeile. So war das z.B. auf Mallorca mit „Jeannie is dancing with the sun“ (Peter singt die Zeile) . Da waren wir direkt fleißig und haben versucht, so einen Vers darum zu stricken. Das ist auch schon so eine Puzzlearbeit. Angefangen hat alles mit der Idee und wir haben elend lang lang rumgemacht, aber wir haben es nicht auf die Reihe gekriegt, was daraus zu machen. Aber diese Idee hat so viele Derivate entwickelt im Laufe des Tages, dass daraus eine ganze Reihe anderer Songs entstanden sind. Mit der eigentlichen Idee sind wir wieder genau so nach Hause gefahren.

GOF: Ist normalerweise erst eine Melodie oder ein Text da?

Peter: Das geht eigentlich schon mehr so Hand in Hand. Es gibt auch viele Laybacks, aus denen hat sich dann gar nichts weiterentwickelt.

Es gibt auch Ausschussware. Das mit den Texten ist schon mehr so eine Fleißaufgabe hinterher. Dadurch, dass wir immer so mit Pillingenglish arbeiten, also irgendwas singen auf die Melodie, also Textfragmente, die schon ganz gut klingen zu der Musik und die schon ganz gut passen zu dem Song, gibt’s dann solche Eckpfeiler, auf die man nicht verzichten will. Dazwischen entsteht dann ein Text, der einen Sinn ergibt. Das ist oft eine schwere Geburt, wenn ich so 3-4 Tage dasitze, bis es dann endlich aufgeht.

GOF: Wie war das mit dem Song zur Fußball WM ? Habt ihr da einen Auftrag bekommen, etwas zu schreiben?

Peter: Ja, genau. Da hat Gabi eine Grundidee geliefert mit einem Lick gespielt auf der Gitarre und ich hab ne Melodie dazu gesungen. (Peter singt: Don’t let it in - don’t let it out) und da drumrum haben wir dann den eigentlichen Song gebastelt. Wobei der Vers, ich hatte schon einen Text geschrieben dafür, ursprünglich ganz anders angelegt war. Er hatte mehr so einen melancholischen Touch. Ich stand schon im Studio und Volker hat’s aufgenommen und dann komme ich irgendwann aus dem Aufnahmeraum, höre es mir an und sag: „ Mann, das klingt ja so beschissen!“ Dann wurde es nochmal komplett über den Haufen geworfen und solange herumgedoktort, dass ein völlig neuer Vers entstanden ist.

GOF: Habt ihr schon Songs für euer nächstes Album?

Peter: Also, noch nichts Konkretes. Wir überlegen immer noch , ob wir nicht vielleicht tatsächlich zuerst ein unplugged Album nächstes Jahr machen. Also ich hab schon wieder ne ganze Menge Ideen. Ich muss mich aber auch ab und zu mal zwingen, mich nicht ans Klavier zu setzen und gar nichts zu machen, damit so ein Vakuum entsteht und ich das Bedürfnis habe, was zu schreiben. Man hat ja auch nicht immer Lust, immer was zu machen.

GOF: Gibt es Songs, die ihr so auf Halde liegen habt und die ihr noch nicht in ein Album gepackt habt?

Wir denken da so z.B. an "Listen to your dreams", was ja auf so einer Preview zu "For Sale" war.

Peter: Wir waren da bei "For Sale" so hin und her gerissen. Ich weiß gar nicht mehr so genau, aber ich glaube, wir hatten irgendwann so eine Anfrage von Polydor zum "No Angles" - Projekt. Also bevor es die "No Angles" gab, haben die Songs gesucht. In diesem Zuge entstand "Listen to your dreams". Ich hab mir dann auch mit dem Text nicht soviel Mühe gegeben und das ging auch ganz schnell - so eine halbe bis dreiviertel Stunde - so mit "....try to reach you every day - Baby you'r so far away - what's the price I have to pay.......". Also irgendwie so ein doofes Reimschema. Aber das hat leider irgendwie gut gepasst und als ich mich dann irgendwann an einem anderen Text versucht habe, denn der Song sollte ja mit auf das Album, ist da nichts rausgekommen. Volker hat damals immer gesagt: "Nimm doch den Text, der ist doch okay." Ich wollte aber so'nen Scheiß nicht singen. Das war dann alles zu verkrampft und da war nichts Lockeres mehr, weil dieser Text einfach schon zu eingebrannt war.

GOF: Du hast uns mal gesagt, "Peter's riding his horse" wäre ein ziemlich alter Song und den habt ihr ja auf eurem neuen Album. Habt ihr den auch irgendwo ausgegraben?

Peter: Der ist nicht ganz so alt und war eigentlich die erste Nummer nach der Produktion von “25 Miles to kissimmee“. Sie entstand noch vor der Trennung von Roland,Ralf und Thomas und ist irgendwie so rübergeschwappt. Als das Album fertig war, lag sie eine ganze Weile einfach so da. Irgendwann haben wir uns dann erinnert : „Hey, wir haben da ja noch “Peter’s riding his horse“ und wenn man das so ein bisschen aufpeppt, könnte das ganz gut zu „Ready for the real life“ passen.

GOF: Petra und Wolfgang Klötzer fragen: „Stimmt es, dass du mal ein Lied gesungen hast, in deutscher Sprache, das nicht veröffentlicht worden ist?“

Peter: Also mit den alten Bands haben wir viele Lieder auch auf Deutsch gemacht. Das war immer so ein Mischmasch.Aber die sind alle nicht veröffentlicht worden. Im Zuge von Fools Garden nicht.

Ich habe aber zwei so Lieder für Schlagersänger geschrieben, die wir versucht haben anzubieten, als Lieder für andere, in der Hoffnung, damit etwas Geld verdienen zu können. Die habe ich gesungen und da gab es einen Anruf von Jupiter Records. Denen hat das unglaublich gut gefallen dieses Lied und die wollten unbedingt, dass ich das singe. Da hab ich gesagt: „Oh, aber das will ich nicht singen.“

GOF: Ihr seid ja unbestritten eine supergute Liveband und die Auftritte sind perfekt. Und du hast eben gesagt, dass ihr nicht viel probt. Kaum zu glauben! Wie macht ihr das ?

Peter: Na, ich denke, das hängt auch schon irgendwie damit zusammen, dass weil Voker und ich die Songs schreiben, wir sie sowieso intus haben - abgesehen von den Texten manchmal bei mir (Gelächter). Dirk,Gabi und Claus sind halt professionelle Musiker, die selten Fehler machen, die wir dann auf der Bühne mitkriegen, das Publikum aber meistens nicht. Wir proben natürlich, aber da reicht es eigentlich , wenn man so ein Programm 3 oder 4 Tage einstudiert. Wenn jeder zu Hause schon geübt hat, muss man es ja nur noch irgendwie zusammenbringen. Wir haben in unserem Leben sehr, sehr viel geprobt - mit den alten Bands - wo wir dann 2-3 mal die Woche in irgendeinem Keller standen. Aber das will man dann irgendwann auch nicht mehr.

GOF: Gibt es bei euch vor den Auftritten noch so etwas wie Lampenfieber?

Peter: Ja klar! Wobei wir jetzt so alle nicht die Typen sind, die megamäßig nervös vorher sind. Ich spüre schon bevor ich auf die Bühne gehe, dass ich nicht auf’s Klo gehe, aber das verfliegt auch relativ schnell.

GOF: Was ist das eigentlich für ein Gefühll, vor so einem Riesenpublikum zu spielen, wie z.B. in St.Petersburg und Kaliningrad?

Peter: Ich werde das häufig gefragt, und ich weiß nicht, ob die Leute mir das glauben. Ich finde es wirklich schöner in einem kleinen Rahmen zu spielen. Da kann man so eine richtig schöne Nähe aufbauen. Wenn die Leute sitzen und zuhören, das mag ich auch sehr gerne. Natürlich ist es schön für’s Ego, wenn du deinen Enkeln mal irgendwann erzählen kannst: “Hey, ich hab schon vor 100000 Leuten gespielt“. In Kaliningrad waren das so fast 100000 als wir dort gepielt haben. Es ist auf der einen Seite toll, das erlebt zu haben, auf der anderen Seite ist das irgendwie so unnahbar.

Man kriegt von den Leuten nichts mehr mit. Die erste Reihe steht 10 Meter weit weg und fünf Meter tiefer als du, weil die Bühne entsprechend hoch ist. Natürlich ist es ein tolles Gefühl. Ich erinnere mich, als wir das erste Mal im Rheinstadion in Düsseldorf gespielt haben, und das ganze Stadion „Lemon Tree“ mitsang - das waren so 70000 Menschen -, da waren die Hände oben, auf jedem Rang, und das bläst dich dann schon weg. Aber ein richtig schönes Konzert ist anders!

GOF: Noch eine Frage von Petra und Wolfgang: Wie habt ihr die 3 Powerjungs (Dirk,Gabi und Claus) gefunden?

Peter: Also ich kenne Claus schon sehr lange. Als ich 16 war, hab ich ihn kennengelernt. Wir haben damals für unsere damalige Band „Demian“ einen Schlagzeuger gesucht und Claus hat sich vorgestellt. Er war 13 oder 14, schüchtern und total schwarz gekleidet. Wir haben alle gedacht: „Der Typ hat ein Rad ab“, weil er kein Wort geredet hat. Er hat sein Schlagzeug aufgebaut, hat getrommelt und ist wieder gegangen. Hinterher hat er mir irgendwann gesagt, dass er furchtbar nervös war und er eigentlich sehr gern mitgespielt hätte, sich aber irgendwie nicht getraut hat, uns richtig anzusprechen. Wir dachten, es habe ihm nicht gefallen, was er gehört hatte und wäre deshalb wieder gegangen. Claus war ursprünglich auch im Gespräch als Schlagzeuger für Fool’s Garden. Er war aber damals, als wir uns gegründet haben, noch zu stark in andere Sachen eingespannt, so dass wir uns für Ralf entschieden ,weil Claus sich dagegen entschieden hatte mitzumachen.

Dirk ist ein Freund von Steffen, unserem Mischer, der jetzt auch schon über 10 Jahre mit uns unterwegs ist. Er hat den Kontakt zwischen Dirk und Volker hergestellt, als Volker mit seiner Soloplatte angefangen hat und es war relativ schnell klar, dass Dirk da Bass spielen wird auf der Platte. Dann kam die Trennung der Band und wir haben gesagt, wir machen zu zweit weiter bzw. wir suchen uns Leute. Da war relativ schnell klar, dass der Claus Schlagzeug spielen wird und der Dirk Bass. Als es dann um einen zweiten Gitarristen ging, hat der Dirk den Gabriel mitgeschleppt, weil er mit ihm vorher schon bei "No Sports" gespielt hatte.

Teil 2: Fools Garden - heute (Fortsetzung)

(Fragen von Piero aus Italien und Antworten aus dem Englischen übersetzt)

Piero: Ihr seid die Größten!

Peter: Vielen Dank!

Piero: Ernsthaft gesprochen - Was ist dein Lieblings Fools Garden Song?

Peter: Oh - Immer der neueste Song.

Piero: Welchen Eindruck hattest du von eurer Promotour in Italien?

Peter: Es war eine schöne Woche in Italien! Wir hatten jede Menge leckeres Essen und trafen viele nette Menschen. Es war auch schön Leute zu sehen, die sich an „Lemon Tree“ erinnert haben. Die Konzerte waren ziemlich kurz und wir haben nur jeweils 2 oder 3 Songs gespielt und das war’s.

Piero: Wie beurteilst du die Arbeit, die in Italien geleistet wird, um euch wieder mal hier live sehen zu können?

Peter: Ja! Carla ist unglaublich! Ich weiß nicht, wie wir das verdient haben! Sie macht eine phantastische Arbeit für uns. Sie macht die Homepage, die deutsche und die italienische. Sie arbeitet und arbeitet, hat die Verbindungen nach Italien hergestellt. Sie ist wirklich .....(Peter sucht nach einem Wort). Ich scheue mich nicht zu sagen, sie ist mehr als ein Fan, sie ist bereits ein Teil von Fools Garden. Wir sind sehr, sehr stolz, dass sie für uns arbeitet. Ich hab ihr das auch schon mehrfach gesagt.

GOF: Dahlia aus Litauen fragt: Welchen Song von eurem neuen Album magst du am meisten?

Peter: Ich mag sie alle! Ich meine, da ist ein sehr persönliches Lied drauf, ein Song für meine Tochter. Ich werde übrigens sehr häufig gefragt, ob ich mir das Album noch anhöre. Von Zeit zu Zeit tu ich das noch, aber am häufigsten höre ich mir die Songs kurz nach der Fertigstellung an. Dies ist bei den Songs auf „Ready for the real life“ schon einige Monate her und so kann ich sagen, dass “Life“ z.B. immer noch zu meinen Lieblinssongs gehört. “Cold“ ist ein weiterer Favorit und „Count on me“. Ich bin mehr der melancholische Mensch.

Eine Frage von Dima aus Russland (übersetzt): Wer ist für dich die coolste Person auf der Welt?

Peter: Vor einigen Wochen sah ich ein Interview mit dem Dalai Lama. Er hat mich sehr beeindruckt! Wie er auftrat, wie er sprach und lächelte. Ich bin von vielen historischen Personen sehr beeindruckt: Sophie Scholl, Mahatma Gandhi. Es gibt einen sehr schönen Spot der Computerfirma Apple, wo mehrere außergewöhnliche Menschen wie Picasso, Gandhi, Martin Luther King, John Lennon usw. gezeigt werden. Es geht um Leute, die etwas versucht haben zu ändern auf dieser Welt. Am Ende fällt ein wunderschöner Satz:

" Because the people who are crazy enough to think they can change the world, are the ones who do."

Es imponiert mir schon sehr, wenn Menschen für ihre Überzeugungen hinstehen und sich nicht irgendwie verbiegen lassen. So historische Kamikaze, solange sie nicht verbohrt sind.

Ansonsten gibt’s in meiner Familie eine ganze Menge „cooler“ Personen. Meine Großmutter, mein Vater und meine Mutter sind echt Vorbilder für mich. Wie sie ihr Leben gelebt haben, was sie uns Kinder gelehrt und mitgegeben haben.

Einfach dieses „Sei wie du bist!“ Das, was ich jetzt meinen Kindern sage und was ich für sie singe, hab ich ja irgendwo her bekommen. Wenn ich z.B. daran denke, dass meine Großmutter im Krieg beim Angriff auf Pforzheim ihren Mann verloren hat. Sie stand dann mit ihren beiden Kindern alleinerziehend da und ist dann auf’s Dorf gezogen und war da fast sowas wie Freiwild für die Männer, die da gelebt haben. Es war eine eine komplett andere Zeit damals. Sie musste zwei Kinder großziehen, und ist jeden Tag von Neuhausen nach Pforzheim gelaufen, um dort irgendwie Lebensmittel zu besorgen. Das sind 16 km morgens und abends wieder 16 km zurück. Sie hat das aber durchgezogen und dann später nochmal einen Mann kenngelernt und mit ihm in „wilder Ehe“ gelebt. Das war wohl die erste wilde Ehe in diesem Dorf. Aber sie wollte nicht nochmal heiraten, weil sie sonst keine Rente mehr bekommen hätte. Also ich glaube, man muss nicht immer in die Geschichte blicken, um Vorbilder zu sehen. Die gibt es schon auch im ganz persönlichen Umfeld.

Teil 3: Fools Garden - morgen

GOF: Nun noch ein paar Fragen zur Zufunft von Fools Garden! Im Frühjahr gibt’s ja eine „Unplugged Tour“. Sollen da noch weitere Locations dazukommen?

Peter: Das ist nicht wirklich eine Tour. Es hat mehr den Charakter, dass man z.B. an vier Tagen hintereinander spielt, kleine Pause, und dann gibt es wieder vier Termine hintereinander oder so ähnlich. Das sind einfach Termine, die angefragt sind, und da kommt sicher noch der eine oder andere Termin dazu.

GOF: Wie sieht es mit einer unplugged CD aus. Ist da was in Arbeit?

Peter: Wir werden da die nächsten Wochen mal in uns gehen, wenn das mit der Tour alles verdaut ist. Wir haben das schon auf dem Schirm und werden uns dann auf alle Fälle an die Arbeit machen. Was noch dazukommt: Wir haben da ein Gespräch gehabt mit einem Professor der Fachhochschule Schwäbisch Gmünd. Das ist eine Wirtschaftshochschule, an der es einen Studiengang Marketing gibt. Wir werden da an drei Terminen als Gastdozenten agieren und wollen das evtl. mit Konzertterminen verbinden und auch einen speziellen Song dafür machen, den die Studenten versuchen sollen zu vermarkten. Aber das ist alles noch ganz frisch.

GOF: Einge Fragen von Dima aus Russland (Fragen und Antworten hier übersetzt)

Habt ihr vor, einen Videoclip zu einem der Songs von „Ready for the real life“ zu produzieren?

Peter: Wir denken noch darüber nach, aber das ist immer eine Frage des Geldes. Die Frage ist ganz einfach, wer dieses Video spielt. Wenn man tausende Euro ausgibt und keiner den Clip spielt..........ist nicht so sinnvoll.

GOF(Dima): Wird FoolsGarden jemals wieder Songs von „Once in a blue moon“ auf zukünftigen Konzerten spielen?

Peter: Man soll niemals nie sagen, aber es ist einfach sehr schwierig, wenn man so viele Alben hat. Da gibt’s immer die Frage - Was läßt du jetzt weg und was spielst du? Wir haben heute zwei Stunden gespielt und hätten noch locker, gerade in so einem Kreis von Leuten, die bewandert sind, z.B. Allright , Who are you, Emily , Probably, Wild days oder auch Lena, Part of the Fool, The Tocsin spielen können.

GOF: Piero aus Italien hat noch ein paar Fragen zur Zukunft (Fragen und Antworten übersetzt)

Das Internet ist eine bezaubernde Welt und gibt den Menschen wunderbare Möglichkeiten. Habt ihr jemals darüber nachgedacht, einen Song zur Entdeckung dieser Welt zu schreiben ?

Peter: Eine schöne Idee!! Ich sollte einmal drüber nachdenken.

GOF (Piero): Gibt es in eurem neuen künstlerischen Leben noch Platz für Songs wie „Who are you“?

Peter: Natürlich! Ich glaube, ich habe meine Haltung zu unseren alten Songs ja schon vorhin erklärt.

GOF (Piero): Was können wir italienischen Fans dazu beitragen, dass ihr euch öfter nach Italien wagt?

Peter: Macht nur einfach weiter wie bisher und versucht das „fortzupflanzen“ .........


GOF: Nochmal eine Frage aus Italien, diesmal von Marzia ,die einfach wissen möchte, ob ihr plant, nochmal nach

Italien zu kommen.

Peter: Auf jeden Fall! Ich hoffe, dass wir das auf die Reihe kriegen in nächster Zeit. Ich würde schon sehr gerne. Eine komplette Tour durch Italien zu machen, wäre kompletter Quatsch. Aber vielleicht so auf einem Festival dabeizusein wäre toll. Möglicherweise im Laufe des nächsten Sommers. Das hängt jetzt aber auch davon ab, wie das Album in Italien läuft.

GOF: Eine Frage von Dalia aus Litauen. Litauens Fans würden euch liebend gern und so bald wie möglich wieder in unserem Land sehen. Was denkst du über Litauen und eure Fans dort, und wann kommt ihr wieder?

Peter: Ich und jeder in der Band geht unglaublich gern nach Litauen! Wenn wir ein Angebot bekommen, machen wir das sehr gerne. Da gibt es auch schon wieder ein paar vage Anfragen für den nächsten Sommer. Aber was Konkretes kann ich noch nicht sagen. Also nochmal: Wir würden uns sehr freuen, wieder nach Litauen zu kommen und wenn es eine Möglichkeit gibt, kommen wir!

GOF: Noch eine Frage von Petra und Wolfgang, die uns natürlich auch interessiert. Gibt es im Jahr 2006 eine Fanclubparty ?

Peter: Wir haben das gesagt und dann müssen wir das auch machen! Ich sage euch jetzt zu, dass ich auf jeden Fall in Wuppertal dabei bin. Für die anderen kann ich das hier nicht versprechen. Allen hat es aber beim letzten Mal sehr gut gefallen. Wir sollten da schon einen Termin finden.

GOF: Na, dann packen wir mal die Planung für das Frühjahr 2006 an. Ganz,ganz herzlichen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast und uns so lange zur Verfügung gestanden hast !!

Peter: Das habe ich wirklich gerne gemacht.

 

 

Fools Garden Team